CO2 Druck richtig einstellen

Das Bierzapfen, besonders in Verbindung mit einem Kompensatorhahn, ist ein einfacher physikalischer Prozess. Dennoch gilt es ein paar Kniffe zu beherschen um das frisch gezapfte auch richtig genießen zu können. An dieser Stelle sei gesagt Weisheiten wie "weniger ist mehr..." oder "viel hilft viel..." sind hier fehl am Platz.....

Um den Betriebsdruck deiner Zapfanlage zu ermitteln muss folgendes bekannt sein:

1. Der Sättigungsdruck des Bieres. Abhängig von der Biertemperatur

2. Der Höhenunterschied zwischen Fass und Zapfstelle, und...

3. Die Leitungslänge

Da im Bier Kohlensäure enthalten ist (CO2) wird es unter Druck in Fässer abgefüllt. Ansonsten würde sich die Kohlensäure entbinden und die Folge wäre Schaumbildung. Gleiches gilt für die Zapfanlage, ist der Druck zu gering eingestellt entbindet sich die Kohlensäure in der Bierleitung. Die Folge ist ein Glas, voller Schaum.

Jetzt aber genug Theorie, so ermittelst du den perfekten "Zapfdruck":

 

Schritt 1: Sättigungsdruck ermitteln

Um den Sättigungsdruck zu ermitteln muss die Biertemperature bekannt sein. Da man schlecht die Termperatur im Fass messen kann, genügt es die Raumtemperatur des Lagerraums zu wissen. Wird das Fass frisch aus der Brauerei angezapft, einfach den Lageristen nach der Kühltemperatur fragen. (Damit kann man übrigens ordentlich Eindruck schinden ;-) )

Dann anhand folgender Tabelle den Sättigungsdruck ermitteln:

5°C = 0,8 bar                      10°C=1,2 bar                      16°C= 1,7 bar                     22°C= 2,1 bar
6°C = 0,9 bar                      11°C=1,3 bar                      17°C= 1,8 bar                     23°C= 2,2 bar
7°C = 1,0 bar                      12°C=1,4 bar                      18°C= 1,9 bar                     24°C= 2,3 bar
8°C = 1,0 bar                      13°C=1,5 bar                      20°C= 2,0 bar                     25°C= 2,4 bar
9°C = 1,1 bar                      14°C=1,5 bar                      21°C= 2,0 bar                     26°C= 2,5 bar

 

soweit so gut, nächster Schritt...

Schritt 2: Höhenunterschied ermitteln

Gemessen wird der Höhenunterschied zwischen Fassboden und Zapfstelle, pro Meter sind 0,1 bar Druck notwendig.

 

Schritt 3: Leitungslänge und Reibungsverluste ermitteln

Die Druckverluste sind Abhängig von Länge und Durchmesser der Bierleitung. Bei 7mm Leitungen werden pro 2m Bierleitung 0,1 bar Druck benötigt. Bei 10mm Leitungen sind es 0,1 bar pro 6m Länge.

Jetzt sind wir nur noch einen kleinen Schritt vom perfekten Bier entfernt und kommen somit zum vierten und letzten Schritt...

Schritt 4: Betriebsdruck berechnen

Dieser Schritt ist besonders schwierig da hier fundamentale Mathematik Kenntnisse vorausgesetzt werden.... Ihr habt es sicher schon geahnt, die drei ermittelten Drücke werden einfach addiert.

Und jetzt ein kleines Beispiel, direkt aus dem Leben gegriffen.... Es ist ein wunderschöner Sonntag Morgen und weil das Wetter förmlich nach einem kleinen Grillfest schreit, laden wir spontan unsere Freunde ein. Als guter Gastgeber haben wir selbstverständlich noch ein 20 l Fass köstlichem Augustiner Hell im Keller stehen, wo angenehme 10°C herrschen. Den Nasskühler haben wir in weiser Voraussicht am Vorabend in Betrieb genommen (sicher ist sicher). Das Fass steht im Keller, die Zapfanlage im EG, der Höhenunterschied beträgt ziemlich genau 4m. Wir verwenden 7mm Bierschläuche, 6m lang.

Sättigungsdruck gemäß Tabelle --> 1,2 bar

Höhenunterschied 4m --> 4m * 0,1 bar --> 0,4 bar

Reibungsverluste --> 6m / 2 * 0,1 bar --> 0,3 bar

Betriebsdruck: 1,2 bar + 0,4 bar + 0,3 bar = 1,9 bar

Jetzt nur noch den Druck am Druckminderer einstellen und loszapfen !! Viel Spaß !!

Für Rechen-Faule gibt es natürlich auch unseren praktischen Zapfdruck-Rechner:

Weitere hilfreiche Rechner rund ums Bier brauen findest du auf unserer Brau-Rechner Seite.